„Eversberg 2004" - Bericht einer viertägigen Klassenfahrt
Zwei Klassen der Fröbelschule Arnsberg (Förderschule) führten vom 23.11.2004 bis zum 26.11.2004 eine Klassenfahrt nach Eversberg durch. Zwölf erziehungsschwierige Schüler und eine Schülerin - im Alter von zehn bis dreizehn Jahren - bzw. drei Lehrer übernachteten im Matthias-Claudius-Haus und nahmen tagsüber am Projekt „Seilschaften" teil.
Das Matthias-Claudius-Haus übertraf alle Erwartungen: Die Schüler und ihre Betreuer fühlten sich sehr wohl. Der Tagesablauf war immer geregelt. Nach dem gemeinsamen Frühstück trafen sich die Schüler und die Betreuer der Fröbelschule in einem großen Gruppenraum mit Frank Feldmann und Oliver Teipel (Jugendhilfe Arnsberg). Es wurde in zwei Blöcken gearbeitet. Die Projektarbeit („Seilschaften") fand in der Spanne von 09:00 bis 12:00 und von 13:30 bis 17:00 Uhr statt. Um 12:15 Uhr gingen die Gruppenteilnehmer zum gemeinsamen Mittagessen. Um 18:00 Uhr fanden sich die Schüler und Betreuer zum gemeinsamen Abendessen im Matthias-Claudius-Haus ein. Danach folgen die gestaltete Freizeit: Die Schüler konnten sich auf ihren Zimmer beschäftigen, sie konnten im Sportraum Kickern oder Tischtennis spielen, sie konnten basteln oder sonstigen Aktivitäten nachgehen. Besondere „Highlights" waren die Nachwanderung am 24.11.04 und das Stock-Brot-Essen am 25.11.2004.
Die Projektleiter, die von Frank Feldmann und Oliver Teipel angeleitet wurde, sollte der Schülergruppe und ihren Verhaltensauffälligkeiten entsprechen. Diese Arbeit folgte einem festen Muster. Jeden Morgen trafen sich die Schüler, die beiden Gruppenleiter und die drei Lehrer im Gruppenraum, in dem immer eine gemeinsamen Begrüßungs- und Reflexionsrunde durchgeführt wurde.
Die Reflexionsphase wurde immer durch die drei folgenden Fragestellungen angeleitet:
* Wie geht es mir heute?
* Was war für mich (gestern) am besten?
* Was wünsche ich mir für heute?
Nach der Reflexionsphase und kleinen Spiel- und Übungsformen im Gruppenraum, fand die Projektarbeit größtenteils im angegliederten Schulwald Meschede-Eversberg statt. Während der Projektarbeit zogen sich die drei Lehrer weitestgehend aus dem Geschehen heraus: Bei manchen Spiel- und Übungsformen nahmen sie nur als außen stehende Betrachter teil und dokumentierten das Geschen, bei anderen Aktivitäten brachten sie sich mit ein.
Die beiden Projektleiter waren in ihrer Arbeit überaus flexible und verstanden jederzeit, auf die Störungen und das Verhalten der Schüler angemessen und produktiv zu reagieren. So konnten alle Schüler positive Erfahrungen sammeln und Entwicklungsfortschritte erzielen.
Ein Schüler, der im Unterrichtsalltag durch massive Unruhe, kurze Konzentrationsspannen und geringe Ausdauer auffällt, blühte beispielsweise während der Projektarbeit regelrecht auf. Er konnte dort durch gute Einfälle, gute Fähigkeiten im Bereich der Kooperation und des Verantwortungsgefühl, durch eine erstaunlich lange Ausdauer, eine hohe Frustrationstoleranz und durch Ausgeglichenheit glänzen.
Zwei hochängstliche Schüler, die ihre Unsicherheit im Schulalltag durch Herumkaspern und Verweigerungen, zum Teil sogar Fluchtverhalten zu kompensieren versuchen, konnten während der Klassenfahrt Erfahrungen machen, dass sie sich sehr viel mehr zutrauen und sich auch auf die Hilfe anderer verlassen können. Bei beiden Schülern kann auch nach der Klassenfahrt noch eine positive Entwicklung in den Bereichen Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl und im gesamten Bereich der Emotionalität beobachtet werden.
Die Spiel- und Übungsformen im Gruppenraum und im Schulwald förderten unter anderem die folgenden (Kompetenz-) Bereiche:
* Motivation der Lerngruppe
* gemeinsame Bewegung über „Spiel und Spaß"
* Kooperation (Konfliktfähigkeit)
* Kommunikation
* Selbsterfahrung (Selbstbild, Körperbild)
* Selbsteinschätzung
* Vertrauen
* soziale Kompetenz (Gruppenfähigkeit)
* Handlungsstrategien
Für die beiden Gruppenleiter und die Lehrer war eine Entwicklung der Schüler ganz offensichtlich. Das Anspruchsniveau und die Leistungsbereitschaft der Schülergruppe stiegen deutlich an. Am letzten Tag (25.11.2004) brachten sich alle Schüler beispielsweise bei einer Gruppenaufgabe ein, die schon sehr anspruchsvoll war. Alle Schüler sollten einen Seilparcours als Gruppe überqueren, ohne von den Stahlseilen herunter zu fallen.
Bei dieser Aufgabe mussten sich die Gruppenmitglieder gegenseitig helfen, was sie auch taten. Die Betreuer bemerkten ebenfalls, dass die Reflexionen de Schüler eigenständiger und aussagekräftiger wurden. Sie waren sich über ihre eigene Entwicklung im Klaren!
Hiermit wollen wir uns noch recht herzlich bei der Karl-Bröker-Stiftung bedanken, die uns diese viertägige Klassenfahrt überhaupt ermöglicht hat. Vielen Dank!
Unser Dank gilt auch Frank Feldmann und Oliver Teipel, die uns eine wunderschöne Klassenfahrt ermöglicht haben!



