Sicher in den Seilen hängen

Hochseilgartenexperten zum Austausch am Volkersberg Theorie und Praxis im Hochseilgarten: Bei dem internationalen Treffen von Hochseilgartenspezialisten, organisiert von der European Ropes Course Association (ERCA), kamen fast 150 Teilnehmer aus über 15 Ländern am Volkersberg zusammen. Mulmig ist den Teilnehmern des Workshops „Rescue" in zwölf Metern Höhe zwar nicht mehr. Doch die Übungen, um den Verletzen vom Seil zu bergen und bestmöglich medizinisch zu versorgen, strengen besonders bei kaltem Wetter an. „Wenn jemand den Fuß in der Höhe verknackst hat, bitte den Schuh zunächst anlassen, das verhindert eine größere Schwellung", gibt Jule Hildmann, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Haus Volkersberg, mit auf den Weg. Und: In der Krisenintervention sei die psychische Betreuung - sowohl des Verletzten als auch der weiteren Beteiligten - genauso wichtig wie die physische Versorgung.

Zu der dreitägigen Jahreskonferenz der ERCA kamen Trainer, Seilgartenbauer und Betreiber zum Austausch zusammen. „Es herrscht internationales Flair, auch Holländer, Spanier, Franzosen, Engländer oder Litauer sind mit von der Partie", sagt Mit-Organisator und Erlebnispädagoge Carsten Waider vom Haus Volkersberg. Mehrere Seminare und Workshops, so Waider, stehen in diesen Tagen auf dem Programm. Außer Rettungsmaßnahmen für den Notfall erfahren die Teilnehmer das Neueste zur Standardisierung von Hochseilgärten, über die EU-Norm oder die Qualifizierung des Personals. Thema ist auch der Unterschied zwischen Hochseilgärten mit pädagogischem Hintergrund oder den so genannten Adventure-Parks. Für die Region Bad Brückenau, da ist sich Waider sicher, „ist das Treffen von großer Bedeutung. Unser Haus und die Umgebung werden auch im Ausland wahrgenommen".


Maximum an Sicherheit

„Unser Ziel ist die Vernetzung von Wissen unter den Betreibern", bringt es der ERCA-Vorsitzende Valentin Kern auf den Punkt. Schon seit 1998 kümmere sich der Verband mit vielen hundert Mitgliedern um die Interessen der europäischen Trainer, Seilgartenbauer und Betreiber. „Wir entwickeln Industriestandards für die stationären und temporären Hochseilgärten und wirken aktiv an einer Seilgartennorm mit", so Kern. Die Standards zu Bau, Inspektion, Betrieb, Ausbildung und Ethik dienten Erbauern und Betreibern als Grundlage. Und: „Inspekteure und Gutachter können sich bei ihrer Beurteilung der sicheren Verfahren daran orientieren." Im Endeffekt trage all dies dazu bei, dass die Benutzer von Hochseilgärten ein Maximum an Sicherheit vorfinden.

Auch die verschiedenen Varianten von Hochseilgärten spricht Kern an, sieht, dass die touristische Nutzung von Klettergärten zugenommen hat. „Am Anfang war das ein Wildwuchs, jetzt sind wir auf dem guten Weg in geregelte Bahnen. Auch dazu ist der Austausch wichtig."

Die 38-jährige Angela Matheußer ist eine der Teilnehmerinnen und angetan von dem Treffen. Sie arbeitet in einer Outdoorschule in Freiburg, ist dort zuständig für die Ausbildung der Hochseilgartentrainer im Bereich „Rettung". „Nun habe ich jede Menge neuer Erkenntnisse gewonnen, die ich in meine Arbeit einbeziehen kann."

Hans Schandelmeyer hingegen ist Betriebsleiter in einem Waldklettergarten. Auch für ihn ist der Austausch zur „Netzwerkpflege" wichtig. „Wir profitieren mit unseren verschiedenen Erfahrungen voneinander, bekommen neue Ideen, außerdem gibt es informelle Gespräche über die sich immer wieder verändernde Ausrüstung."


Jümar-Trophy

Um den Ehrgeiz der Teilnehmer zu wecken und natürlich für den Spaßfaktor, gibt es auch einen Wettbewerb: Mit Hilfe einer Steigklemme - dem so genannten Jümar - müssen die Kletterer um die Wette an einem Seil aufsteigen, während das Seil hinterlistig von oben herab gelassen wird. „Sie müssen also schneller klettern, als das Seil abgelassen wird. Das erfordert viel Kraft und Kondition", freut sich Waider auf das Event. Der Gewinn: Die Jümar-Trophy - die goldene Steigklemme.