Erlebnis von Höhe und Stärke für Menschen im Rollstuhl

Rüthen. Aufwärts geht es bald am Diözesanzentrum der Pfadfinder am „Eulenspiegel“. Dort wird derzeit der bundesweit erste Hochseilgarten aufgebaut, der behinderten und nicht behinderten Menschen gleichermaßen ein Höhenerlebnis bietet.

Wie am Schnürchen, oder bei einem Hochseilgarten mit seinen Sicherungsmechanismen besser, wie am Stahlseil, läuft das Projekt der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg, Diözesanverband Paderborn. Dem Einverständnis der Stadt Rüthen folgte die Bewilligung der Mittel durch das Land aus dem Kinder- und Jugendförderplan, mit denen das 120 000 Euro kostende Vorhaben zu 80 Prozent gefördert wird. Die übrigen 20 Prozent bringt der DPSG-Diözesanverband auf. Mit dem auf 1500 Quadratmetern entstehenden Hochseilgarten, der in Kooperation mit der „Seilschaft“ aus Arnsberg betrieben wird, folgen die Pfadfinder ihrem Grundsatz „Von Natur aus gleich“, indem sie behinderten wie nicht behinderten Menschen das Erlebnis von Höhe in der Gruppe ermöglichen.

Es geht nicht darum, es beispielsweise Menschen im Rollstuhl „einfach“ zu machen. Der Hochseilgarten ist, wie Oliver Teipel, Geschäftsführer der „Seilschaft“, betont, nicht barrierefrei. „Was bedeuten Barrieren für mich – im Kopf, wie auch in der Praxis? Das sind Fragen, denen sich die Behinderten stellen müssen“, so Teipel. „Sie werden nicht hinverfrachtet“, sagt er mit Blick in die Höhe auf den zentralen Turm, Jakobsturm genannt, und die weiteren der 14 Stationen des Hochseilgartens. Es gehe darum, sich zu überlegen, welche Hilfsmittel man brauche, um in die Höhe zu kommen und außerdem die eigenen Kräfte zu erkennen. Unter diesen Voraussetzungen gelinge selbst Rollstuhlfahrern der Anstieg über die Rampe – was für den Laien schon recht ambitioniert wirkt.

Hinzu kommt natürlich die entsprechende Sicherung. Der Hochseilgarten am DPSG-Diözesanzentrum ist nicht auf Freizeitgestaltung ausgelegt und daher auch kein selbstsichernder. Jede Gruppe wird vom geschulten Personal der „Seilschaft“ betreut. Auf sonntäglichen Freizeitspaß für jedermann ist die Anlage daher nicht ausgerichtet. Sie wird aber, davon ist Oliver Teipel ebenso überzeugt, wie Dirk Lankowski, Pressesprecher des DPSG-Diözesanverbandes, „eine Strahlkraft weit über Rüthen hinaus entwickeln“, so Lankowski mit Blick auf die Einzigartigkeit des erlebnispädagogischen Angebotes. Geschaffen wurde es mit Blick auf die Inklusion, die auch behinderten Kindern und Jugendlichen das Recht auf den Besuch einer Regelschule gibt, so dass sie dort gemeinsam mit Gleichaltrigen Lernen, aber auch Erleben können. 80 Prozent des Hochseilgartens, so Oliver Teipel, sei von Behinderten nutzbar.

Bereits vor zwei Wochen wurden die Fundamente für die bis zu neun Meter hohen Masten aus Douglasienholz gegossen. Schon der Aufbau der Anlage ist ein Gemeinschaftsprojekt. Daran arbeitet die „Seilschaft“ ebenso mit, wie die Mitarbeiter der Herstellerfirma aus Marburg und Pfadfindern selbst. Heute, spätestens aber nächste Woche soll er abgeschlossen sein. Ist im kommenden Frühjahr das Wetter dann wieder besser, erfolgt die Feinabstimmung. Dann werden laut Teipel auch behinderte Menschen mithelfen, den Hochseilgarten für die Inbetriebnahme vorzubereiten.

Quelle: derwesten.de